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Sheabutter in der Hautpflege: was belegt ist

Sheabutter auf der Haut: was sie wirklich macht, roh oder raffiniert, was Studien hergeben, wo sie nicht hingehört – und die Sache mit der Nussallergie.

Sheabutter ist gerade wieder überall — auf TikTok schwören junge Leute auf den rohen, cremefarbenen Klumpen aus Westafrika, und in der Drogerie steckt sie in halb allen Bodylotions. Dabei ist an ihr nichts neu: In ihrer Heimat pflegen Menschen ihre Haut seit Jahrhunderten damit. Praktisch heißt das für dich: Sheabutter ist ein Fett. Sie hält Feuchtigkeit fest, statt sie zu liefern — auf trockener, rauer Haut ist das genau richtig, auf nässender oder zu Pickeln neigender Haut eher nicht. Schauen wir uns in Ruhe an, woher sie kommt, was drinsteckt, wie du sie nutzt und was die Studien wirklich hergeben.

Kurz gesagt: Sheabutter ist ein pflegendes Pflanzenfett: Sie legt sich wie ein dünner Film auf die Haut, macht sie glatt und hält vorhandene Feuchtigkeit drin. Für trockene Haut und rissige Stellen (Ellenbogen, Fersen, Hände, Lippen) ist das genau die richtige Aufgabe, und kleine Studien am Menschen stützen das. Feuchtigkeit von außen bringt sie nicht — sie versiegelt nur, was schon da ist. Wer zu unreiner Haut oder Pilz-Pickelchen im Gesicht neigt, für den kann pure Sheabutter zu reichhaltig sein. Und die häufigste Sorge lässt sich entspannt beantworten: Bei Nussallergie gilt Sheabutter auf der Haut als sehr unbedenklich.

Was ist Sheabutter überhaupt?

Sheabutter ist das Fett aus den Kernen (Nüssen) des Sheabaums, der in einem breiten Gürtel südlich der Sahara wächst — von Westafrika bis in den Osten des Kontinents. Botanisch heißt der Baum Vitellaria paradoxa, in Inhaltsstoff-Listen taucht sie unter dem älteren Namen Butyrospermum Parkii auf (das ist schlicht der INCI-Name, unter dem du sie auf der Verpackung findest). Der Baum lässt sich nicht auf Plantagen ziehen und braucht rund 15 bis 20 Jahre bis zur ersten richtigen Ernte — Sheabutter kommt bis heute überwiegend von wildwachsenden Bäumen.

Die Nüsse werden gesammelt, geröstet, zerstoßen und ausgekocht — traditionell eine Handarbeit, die überwiegend von Frauen gemacht wird und in vielen Regionen ein wichtiges Einkommen bedeutet. Heraus kommt ein festes, cremefarbenes bis leicht gelbliches Fett, das bei Hautwärme weich wird und schmilzt.

Was steckt drin — und warum das für die Haut zählt

Sheabutter besteht ganz überwiegend aus Pflegeölen (Fachwort: Emollientien) — genauer aus zwei Fettsäuren: Stearinsäure, die fest und wachsartig ist, und Ölsäure, die weich und flüssig ist. Das Verhältnis schwankt je nach Herkunft erheblich (grob 28 bis 56 Prozent Stearinsäure, 34 bis 61 Prozent Ölsäure). Genau deshalb ist die eine Sheabutter fest und krümelig und die nächste fast salbenweich.

Das Besondere ist ein kleiner Rest-Anteil, der beim Seifenkochen nicht zu Seife wird (Fachleute nennen ihn den „unverseifbaren Teil"). In diesem Rest sitzen die interessanten Begleitstoffe — Vitamin E und verwandte Stoffe (das sind Antioxidantien, also Stoffe, die im Labor aggressive Moleküle abfangen), pflanzliche Sterine und sogenannte Triterpenester. Bei den meisten Pflanzenölen macht dieser Anteil unter einem Prozent aus; bei Sheabutter sind es rund fünf bis zehn Prozent. Das ist ihr eigentliches Pfund — und der Grund, warum sie in der Forschung überhaupt Aufmerksamkeit bekam und nicht bloß als „irgendein Fett" durchgeht.

Merke: Sheabutter ist zum größten Teil pflegendes Fett, mit einem ungewöhnlich großen Anteil an Begleitstoffen. Ein Fett heißt: Es bringt keine Feuchtigkeit, es hält sie fest.
Tradition & wie Sheabutter auf der Haut wirkt

Ein altes Hautmittel — und was es tut

In ihren Herkunftsländern ist Sheabutter kein Trend, sondern Alltag: für trockene Haut, spröde Lippen, raue Hände und Füße, für Haare, zum Schutz gegen Wind und Sonne, in der Babypflege und bei kleinen Hautproblemen. Diese lange, gebündelte Erfahrung ist ein ernst zu nehmender Grund für ihren festen Platz in der Pflege — unabhängig davon, wie viele moderne Studien es gibt.

Und was macht sie physikalisch auf der Haut? Zwei Dinge:

  • Sie glättet und füllt auf. Die Fette legen sich zwischen die obersten Hautzellen wie Mörtel zwischen Ziegel — die Haut fühlt sich sofort glatter und geschmeidiger an.
  • Sie versiegelt. Sie legt einen dünnen, fettigen Schutzfilm über die Haut, durch den weniger Wasser nach außen verdunstet. Man kann sich das wie eine sehr leichte Frischhaltefolie vorstellen.

Der Unterschied, den viele durcheinanderbringen: Ein Fett bringt kein Wasser in die Haut, es schließt vorhandene Feuchtigkeit ein. Stell dir einen Topf mit heißem Wasser vor — ohne Deckel dampft er aus, mit Deckel bleibt das Wasser drin. Sheabutter ist der Deckel. Wasser anziehen können andere Stoffe: sogenannte Feuchtigkeitsspender (Fachwort: Humektantien) wie Glyzerin oder Harnstoff. Deshalb wirkt Sheabutter am besten auf leicht feuchter Haut oder über einer wasserhaltigen Pflege — dann gibt es etwas zu versiegeln. Wie der Gegenpart funktioniert, steht im Ratgeber zu Harnstoff (Urea).

Merke: Sheabutter versiegelt und glättet. Damit sie etwas zum Einschließen hat, trägst du sie am besten auf leicht feuchte Haut auf — oder über eine wasserhaltige Pflege.
Was die Studien hergeben — ehrlich eingeordnet

Was ist belegt?

Eine Einordnung vorweg, die man bei Naturstoffen fast immer braucht: Sheabutter lässt sich nicht patentieren. Niemand kann sich das Recht daran sichern, also finanziert auch selten jemand große, teure Studien. Wenig Datenlage heißt hier nicht „wirkt nicht", sondern oft nur: Es hat sich nie jemand gefunden, der die Rechnung dafür bezahlt. Was es gibt, ist trotzdem einen ehrlichen Blick wert — vom Labor bis zur echten Haut.

Im Labor sind vor allem die Triterpenester aus dem Sheafett untersucht. Eine japanische Arbeitsgruppe zeigte 2010, dass diese Pflanzenstoffe entzündungsfördernde Signalwege dämpfen können. Neuere Arbeiten (2025) prüften Sheabutter-Cremes an menschlichen Hautzellen und fanden eine bessere Feuchtigkeitsbindung. Das ist sauber gemacht — aber „wirkt an Zellen" ist noch nicht dasselbe wie „hilft einem Menschen im Alltag".

Am Menschen wird es interessanter, hat aber einen Haken, den man kennen sollte: Untersucht wurden fast immer fertige Cremes, in denen Sheabutter zusammen mit anderen Pflegestoffen steckt. Man kann deshalb nicht sauber sagen, welcher Anteil des Effekts auf die Sheabutter selbst entfällt.

  • Eine kontrollierte Studie von 2025 verglich bei 30 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Neurodermitis (eine chronische, trockene, juckende Hauterkrankung) über vier Wochen eine Sheabutter-Creme mit einer etablierten Vergleichs-Pflegecreme. In beiden Gruppen ging die Schwere deutlich zurück (um rund 68 beziehungsweise 79 Prozent), ohne bedeutsamen Unterschied zwischen den Gruppen. 93 Prozent der Teilnehmenden berichteten eine Besserung, die Verträglichkeit wurde in fast allen Fällen als sehr gut bewertet, unerwünschte Reaktionen traten keine auf.
  • Eine kleine Vergleichsstudie aus Thailand (2021) prüfte bei 26 Kindern mit leichter bis mittlerer Neurodermitis über acht Wochen eine Creme mit Sheabutter und Ceramiden (das sind hauteigene Fett-Bausteine) gegen eine Kortison-Creme (1 % Hydrocortison) — bei jedem Kind eine Körperhälfte pro Mittel. Beide Seiten besserten sich deutlich, und zwischen den Seiten war kein bedeutsamer Unterschied messbar. Auch hier: keine unerwünschten Wirkungen.
  • Eine Kinder-Hautklinik in Hongkong testete 2015 eine Creme mit Sheabutter-Auszug bei Neurodermitis. Rund drei Viertel der Familien fanden sie gut anwendbar; in dieser Gruppe gingen Juckreiz und die Belastung im Alltag messbar zurück.

Das sind ermutigende, aber durchweg kleine Studien mit Kombi-Produkten. Für ein hartes Urteil bräuchte es größere. Was sie andeuten, ist trotzdem bemerkenswert: Gute Basispflege kann bei leichteren Verläufen mehr leisten, als man ihr oft zutraut. Wie du das praktisch umsetzt, kommt gleich — vorher noch die zwei Fragen, die am häufigsten dazwischenfunken.

Aussage über Sheabutter Stand der Daten Was heißt das für dich?
Hält Feuchtigkeit, glättet, macht die Haut geschmeidig Gut belegt — Grundeigenschaft jedes Pflegefetts Als Pflege für trockene, raue Haut einplanen — genau ihre Stärke; auf leicht feuchte Haut auftragen
Enthält ungewöhnlich viele Begleitstoffe mit entzündungsdämpfenden Effekten im Labor Gut belegt im Labor, offen für die Haut Als Pluspunkt werten, nicht als Behandlung einplanen
Cremes mit Sheabutter können bei leichter bis mittlerer Neurodermitis spürbar helfen Erste Hinweise — kleine Studien, immer Kombi-Produkte Als milde Basispflege sinnvoll; die ärztliche Behandlung läuft davon unabhängig weiter
„Hat einen natürlichen Lichtschutzfaktor / ersetzt Sonnencreme" Nicht belegt — allenfalls winzig und unzuverlässig Verlass dich nicht darauf. Sonnenschutz bleibt Sonnenschutz
„Entfernt Narben und Dehnungsstreifen" Wenig erforscht — kaum belastbare Daten Ausprobieren ist harmlos; erwarte keine Wunder und mach dir keine Vorwürfe, wenn nichts passiert
Unterm Strich: Als pflegendes Fett für trockene Haut ist Sheabutter gut aufgestellt — kleine Studien stützen das. Als Sonnenschutz oder Narben-Radierer taugt sie nicht.

Was ist dran am Rindertalg-Trend?

Seit einer Weile geistert Rindertalg („beef tallow") als Gesichtspflege durch die Feeds, oft mit dem Argument, tierisches Fett sei der menschlichen Haut ähnlicher als Pflanzenfett. Weil die Frage in Kommentarspalten fast immer bei „Talg oder Sheabutter?" landet, hier die nüchterne Einordnung.

Beide sind Fette, und beide machen auf der Haut im Kern dasselbe: eine Schicht bilden, das Verdunsten bremsen. Für beide gilt, dass es kaum belastbare Studien am Menschen zur Gesichtspflege gibt — bei Talg noch weniger als bei Sheabutter. Das Argument „ähnlicher zur Haut" klingt einleuchtend, ist bislang aber eher Plausibilität als Nachweis. In der Berichterstattung weisen Hautärztinnen und Hautärzte vor allem auf zwei praktische Punkte hin: Talg ist sehr schwer und kann bei zu Unreinheiten neigender Haut Poren verstopfen, und bei selbst ausgelassenem Fett ohne saubere Verarbeitung ist die Haltbarkeit ein Thema.

Kurz: Wenn du mit Talg gute Erfahrungen machst, ist das deine Sache. Nur ist es auf Basis der Daten kein „besseres" Fett — es ist ein anderes Fett mit derselben Grundfunktion und weniger Erfahrung im Rücken.

Für wen sie passt — und für wen weniger

Ölsäure, Poren und „Pilz-Pickel": der ehrliche Vorbehalt

So gut Sheabutter für trockene Stellen ist — für jede Haut ist sie nicht das Richtige, und das gehört fair gesagt. Der Grund steckt in ihrem Aufbau: Sie enthält viel Ölsäure und wenig Linolsäure. Die Namen musst du dir nicht merken — wichtig ist, was daraus folgt: Diese Mischung macht sie schwer und satt statt leicht und dünnflüssig. Für trockene Haut ist das ein Vorteil, auf zu Unreinheiten neigender Gesichtshaut ein Nachteil.

Dazu kommt ein zweiter Punkt: Auf der Haut lebt von Natur aus ein Hefepilz namens Malassezia. Bei manchen Menschen löst er kleine, gleichmäßige, juckende Pickelchen aus — im Netz „fungal acne" genannt, medizinisch Malassezia-Follikulitis (eine Entzündung der Haarwurzeln durch diesen Hefepilz). Typisch sind sie am oberen Rücken, auf der Brust und an der Stirn. Dieser Pilz ernährt sich unter anderem von bestimmten Fetten; reichhaltige Pflanzenfette können solche Pickelchen bei dafür anfälligen Menschen deshalb begünstigen.

Das ist kein Grund, Sheabutter zu verteufeln — die allermeisten vertragen sie auf dem Körper bestens. Es heißt nur: Wenn deine Gesichtshaut zu Unreinheiten oder zu diesen Pilz-Pickelchen neigt, ist pure Sheabutter im Gesicht vielleicht nicht deine erste Wahl. Auf trockenen Körperstellen, Händen, Ellenbogen, Lippen und Fersen spielt das kaum eine Rolle. Mehr zur Abgrenzung im Ratgeber Akne verstehen.

Tipp: Neue Pflege immer erst an einer kleinen Stelle testen (z. B. Armbeuge, 24–48 Stunden). So merkst du früh, ob deine Haut sie mag — bevor du sie großflächig aufträgst.
Deine Haut / Situation Passt Sheabutter? Was tun
Trockene, raue Haut, Ellenbogen, Knie, Fersen Ja, sehr gut Nach dem Duschen auf leicht feuchte Haut auftragen, dünn einmassieren
Spröde Lippen, rissige Hände, Nagelhaut Ja Kleine Menge zwischen den Fingern anwärmen, gezielt auftupfen
Empfindliche, zu Ekzem neigende Körperhaut in ruhigen Phasen Meist ja Als milde Basispflege testen; bei akuter, nässender oder erkrankter Haut ärztlich abklären
Nässendes oder stark entzündetes Ekzem Nein Ärztlich abklären; auf nässende Haut gehört kein dickes Fett
Fettige oder zu Unreinheiten neigende Gesichtshaut Eher zurückhaltend Im Gesicht meiden oder nur punktuell; leichtere Pflege bevorzugen
Neigung zu „Pilz-Pickeln" (Malassezia-Follikulitis) Vorsicht Reichhaltige Pflanzenfette meiden; bei hartnäckigen Pickelchen zum Hautarzt
Babyhaut im Alltag Meist unproblematisch Sparsam und unparfümiert; bei Rötung, Nässen oder Juckreiz erst in die Kinderarztpraxis
Offene Wunden, frische Operationsnarben Nein Wundversorgung gehört in ärztliche Hände, nicht in einen Cremetiegel
Unterm Strich: Sheabutter ist eine Wohltat für trockene, intakte Körperhaut. Für unreine oder zu Pilz-Pickeln neigende Gesichtshaut ist sie nicht die naheliegendste Wahl — testen entscheidet.
So wendest du Sheabutter an

6 Regeln für die Anwendung

  1. Wenig nehmen. Eine erbsengroße Menge reicht weit. Zu viel hinterlässt einen fettigen Film, der lange braucht, bis er einzieht — und bringt nicht mehr.
  2. Zwischen den Fingern anwärmen. Feste Sheabutter schmilzt bei Hautwärme. 10 bis 15 Sekunden zwischen den Handflächen verreiben, dann lässt sie sich dünn verteilen.
  3. Auf leicht feuchte Haut auftragen. Direkt nach dem Duschen oder Händewaschen, wenn die Haut noch klamm ist — so schließt sie die Restfeuchte ein. Kurz abtupfen statt trocken rubbeln.
  4. Gezielt auf trockene Stellen. Ellenbogen, Knie, Schienbeine, Fersen, Hände, Lippen, Nagelhaut — dort zeigt sie ihre Stärke.
  5. Im Gesicht sparsam und nach Hauttyp. Trockene Haut freut sich; bei fettiger oder unreiner Haut lieber zurückhaltend (siehe Abschnitt oben).
  6. Kühl und dunkel lagern, Geduld beim Einziehen. Bei Wärme wird sie flüssig und beim Abkühlen körnig — harmlos, aber unangenehm zu verteilen. Ranzig-stechender Geruch heißt: entsorgen. Abends aufgetragen kann sie über Nacht arbeiten, etwa an rissigen Fersen unter dünnen Baumwollsocken.

Roh oder raffiniert — was ist der Unterschied?

Im Handel gibt es zwei Varianten, und die virale „je roher, desto besser"-Erzählung greift etwas kurz. Beide haben ihre Berechtigung:

Rohe / unraffinierte Sheabutter Raffinierte Sheabutter Was das für dich heißt
Farbe & Geruch cremig-elfenbein, nussig-erdiger Eigengeruch weiß, nahezu geruchlos Stört dich der Geruch, nimm die raffinierte — bei der Pflegewirkung verzichtest du damit auf nichts Wesentliches
Begleitstoffe bleiben weitgehend erhalten ein Teil geht bei der Verarbeitung verloren Wenn dir gerade diese Begleitstoffe wichtig sind: roh wählen
Konsistenz & Reinheit manchmal körnig, schwankt von Charge zu Charge gleichmäßig glatt und berechenbar Für die schnelle Anwendung morgens ist raffiniert bequemer
Reiz-Risiko etwas höher (mehr Begleitstoffe, Eigengeruch) tendenziell reizärmer Bei sehr empfindlicher Haut mit der raffinierten anfangen

Kurz: Roh bringt mehr von den Begleitstoffen mit, raffiniert ist neutraler und oft verträglicher. „Besser" ist keine von beiden pauschal — es kommt auf deine Haut und deinen Geschmack an.

Merke: Wenig nehmen, anwärmen, auf feuchte Haut. Roh oder raffiniert ist Geschmackssache — nicht gut gegen böse.

Die Nussallergie-Frage

Das ist die Sorge, die am häufigsten kommt: Der Sheakern heißt „Sheanuss" — ist Sheabutter also bei einer Nussallergie tabu?

Nach heutigem Stand: sehr wahrscheinlich nicht. Allergische Reaktionen werden von Eiweißen ausgelöst, nicht von Fett. In Sheabutter steckt kaum Eiweiß, und was übrig bleibt, wurde untersucht: Eine Arbeitsgruppe testete 2011 Sheabutter-Proben mit dem Blut von Menschen mit bekannter Nussallergie und fand praktisch keine Bindung der Abwehrstoffe an das Shea-Eiweiß. Auch Fachstellen für Lebensmittelallergien kommen zu dem Schluss, dass Sheabutter für Menschen mit Erdnuss- oder Baumnussallergie kein bekanntes Risiko darstellt; Fälle von allergischen Sofortreaktionen sind in der Fachliteratur nicht beschrieben.

Trotzdem drei ehrliche Einschränkungen:

  • „Selten" ist nicht „unmöglich". Bei einer schweren Nussallergie ist ein kurzes Gespräch mit deiner behandelnden Praxis vor der ersten großflächigen Anwendung sinnvoll — schon deiner Ruhe wegen.
  • Die Creme ist mehr als die Sheabutter. Reagiert deine Haut auf ein Produkt, liegt es oft an anderen Bestandteilen: Duftstoffen, Konservierungsmitteln, ätherischen Ölen. Ein Blick auf die Inhaltsstoffliste hilft mehr als der Verdacht gegen die Sheabutter. Warum auch pflanzliche Stoffe reizen können, steht in Natürlich heißt nicht harmlos.
  • Fettige Pflege kann Poren verstopfen. Das ist keine Allergie, sondern eine Frage der Textur — und der häufigste Grund, warum Sheabutter im Gesicht Ärger macht.

Wann Vorsicht — und wann zum Arzt?

Sheabutter ist Pflege, keine Behandlung. Diese Grenze zu kennen, erspart Frust:

  • Reaktion nach dem Auftragen: Rötung, Juckreiz, Brennen oder Bläschen — absetzen, das Produkt wegen der Inhaltsstoffliste aufheben. Auch „natürlich" kann reizen.
  • Kranke oder offene Haut: Auf nässende Ekzeme, offene oder entzündete Stellen gehört keine selbst zusammengestellte Pflege ohne ärztlichen Rat.
  • Hartnäckige Pickelchen im Gesicht oder am Rücken: Bleiben kleine, juckende Pickelchen trotz Umstellung oder werden schlimmer, kann eine Malassezia-Follikulitis dahinterstecken — das gehört zum Hautarzt, weil sie anders behandelt wird als gewöhnliche Akne.
  • Trockene Haut, die trotz konsequenter Pflege nicht besser wird: Sechs Wochen konsequente Selbstpflege sind eine faire Frist, um das zu beurteilen.

Und jetzt der praktische Teil dazu: Ein Hautarzt-Termin hat oft selbst mehrere Wochen Vorlauf. Wenn es nach etwa einer Woche hartnäckig bleibt, nicht besser wird und dich wirklich stört, buch den Termin jetzt — dann fällt er ungefähr ans Ende deiner sechs Wochen. Wird es vorher besser, sagst du ein bis zwei Tage vorher einfach ab. So verlierst du im schlechten Fall keine Wochen, und im guten Fall hast du nur einen Anruf investiert.

Achtung: Sheabutter ersetzt keine Sonnencreme und keine Behandlung einer Hauterkrankung. Bei anhaltenden Beschwerden, Verdacht auf eine Allergie oder erkrankter Haut ärztlich abklären lassen. Bei Atemnot oder Schwellungen im Gesicht sofort den Notruf 112 wählen.

Was bleibt für deine Hautpflege?

Sheabutter ist kein Zaubermittel — und das muss sie auch nicht sein. Sie ist ein richtig gutes, traditionsreiches Pflegefett: Sie glättet, macht geschmeidig und hält die Feuchtigkeit dort, wo sie hingehört. Für trockene, raue, strapazierte Haut ist das genau die passende Rolle, und die kleinen Studien, die es gibt, stützen sie.

Ein paar Versprechen schießen über das hinaus, was sich belegen lässt — etwa der angebliche Lichtschutz oder das Wegcremen von Narben. Solche überzogenen Aussagen darf man nüchtern geraderücken, ohne der Butter deshalb ihren echten Wert abzusprechen. Nutze sie als das, was sie ist: eine pflegende Basis für Haut, die Fett und Ruhe braucht — und schau bei unreiner oder erkrankter Haut genauer hin, ob sie zu dir passt.


FAQ

Spendet Sheabutter Feuchtigkeit?
Nicht direkt. Sheabutter ist ein Fett — sie bringt kein Wasser in die Haut, sondern schließt die vorhandene Feuchtigkeit ein und bremst das Verdunsten. Am besten auf leicht feuchte Haut oder über eine wasserhaltige Pflege auftragen.

Ist rohe Sheabutter besser als raffinierte?
Rohe (unraffinierte) Sheabutter enthält mehr von den natürlichen Begleitstoffen, riecht aber nussig-erdig und schwankt stärker von Charge zu Charge. Raffinierte ist neutraler und oft verträglicher. Pauschal „besser" ist keine von beiden — es hängt von deiner Haut ab.

Kann Sheabutter Pickel oder unreine Haut verschlimmern?
Bei manchen Menschen ja. Sie ist reichhaltig und reich an Ölsäure; auf zu Unreinheiten oder „Pilz-Pickeln" (Malassezia-Follikulitis) neigender Gesichtshaut kann sie zu schwer sein. Auf trockener Körperhaut ist das in der Regel kein Thema. Im Zweifel klein testen.

Hat Sheabutter einen Lichtschutzfaktor?
Wenn überhaupt, dann einen sehr geringen und unzuverlässigen. Als Sonnenschutz taugt sie nicht — dafür brauchst du eine richtige Sonnencreme.

Hilft Sheabutter gegen Dehnungsstreifen und Narben?
Belastbare Daten dazu gibt es kaum. Regelmäßiges Eincremen und Massieren tut der Haut gut und ist harmlos — ein Wirkungsnachweis ist das aber nicht. Wenn es dir guttut, spricht nichts dagegen; erwarte nur nicht zu viel.

Ist Sheabutter bei Nussallergie sicher?
Nach heutigem Kenntnisstand ist das Risiko sehr gering: Allergien werden von Eiweißen ausgelöst, und Sheabutter enthält davon kaum etwas. Untersuchungen fanden praktisch keine Bindung von Abwehrstoffen an Shea-Eiweiß. Bei einer bekannten schweren Nussallergie sprich trotzdem einmal mit deiner behandelnden Praxis.

Kann ich Sheabutter bei Neurodermitis benutzen?
Als Basispflege in ruhigen Phasen ist sie für viele Menschen gut geeignet, und kleine Studien mit sheabutterhaltigen Cremes sind ermutigend. Auf akut nässende oder stark entzündete Stellen gehört sie nicht, und eine ärztlich verordnete Behandlung ersetzt sie nicht.


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Quellen


Disclaimer

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder dermatologische Beratung. Bei Hauterkrankungen, offenen Stellen oder Verdacht auf eine Allergie wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt. Aussagen zur Studienlage beziehen sich auf die allgemeine Forschung zu Sheabutter (Butyrospermum Parkii) beziehungsweise zu sheabutterhaltigen Cremes und sind keine Wirkversprechen für einzelne Produkte.

Warum wir uns auf Leitlinien berufen
Eine medizinische Leitlinie ist die gemeinsame Empfehlung von Fachärzten und Fachgesellschaften — der aktuelle Stand der Wissenschaft. Unsere Ratgeber stützen sich darauf und auf seriöse Studien, nicht auf Werbeversprechen. Jede Tatsachenbehauptung ist mit Quelle belegt.

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