Skip to content

Welche Ekzem-Arten gibt es? Der große Überblick

Welche Ekzem-Arten gibt es? Atopisch, Kontakt, nummulär, dyshidrotisch, seborrhoisch — alle Formen im Überblick mit großer Vergleichstabelle und Arzt-Tipps.

„Ekzem" klingt nach einer Diagnose. Ist es aber nicht — eher ein Sammelbegriff. Unter dem Wort verbergen sich mehrere ganz unterschiedliche Hauterkrankungen, die zwar ähnlich aussehen (rot, trocken, schuppig, juckend), aber verschiedene Ursachen haben und auch verschieden behandelt werden. Genau deshalb lohnt es sich zu wissen, welcher Typ überhaupt bei dir in Frage kommt. Dieser Artikel gibt dir den Überblick — und verlinkt für jede Form den ausführlichen Ratgeber.

Kurz gesagt: „Ekzem" und „Dermatitis" sind Oberbegriffe für entzündete, juckende Haut — keine einzelne Krankheit. Die wichtigsten Formen sind das atopische Ekzem (Neurodermitis), das Kontaktekzem (allergisch oder durch Reizstoffe), das nummuläre, das dyshidrotische und das seborrhoische Ekzem. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wo sie auftreten und wie sie aussehen. Welche Form du hast — und ob es nicht doch Schuppenflechte ist — klärt am Ende der Hautarzt.


Inhalt


Erstmal: Ekzem, Dermatitis — was heißt das überhaupt?

Zwei Wörter, die du ständig hörst — und die im Grunde dasselbe meinen.

Dermatitis heißt wörtlich übersetzt nichts anderes als „Hautentzündung" (von griechisch derma = Haut, -itis = Entzündung). Ekzem ist der eingedeutschte Begriff für genau dieselbe Sache: eine nicht-ansteckende Entzündung der oberen Hautschichten, die juckt, rötet, schuppt und manchmal nässt. In der Praxis werden beide Wörter oft austauschbar benutzt — „atopische Dermatitis" und „atopisches Ekzem" sind dieselbe Krankheit.

Der wichtige Punkt: Beides sind Oberbegriffe, keine fertige Diagnose. So wie „Kopfschmerz" nicht sagt, ob du Migräne, eine Erkältung oder zu wenig getrunken hast, sagt „Ekzem" noch nicht, welche Form vorliegt. Und die Form entscheidet, was hilft.

Unterm Strich: „Ekzem" und „Dermatitis" sind Sammelbegriffe für entzündete, juckende Haut — die eigentliche Diagnose ist erst, welche Form es ist.

Die wichtigsten Ekzem-Arten auf einen Blick

Die große Übersichtstabelle

Bevor wir in die einzelnen Formen gehen — hier alles Wichtige kompakt. Such dir die Zeile, die zu deiner Haut passt, und spring dann zum passenden Detailartikel.

Ekzem-Art Typische Stellen Leitmerkmal (woran du's grob erkennst) Mehr dazu
Atopisches Ekzem / Neurodermitis Armbeugen, Kniekehlen, Hals, Gesicht; bei Babys oft die Wangen Chronisch, schubweise, sehr starker Juckreiz; oft schon im Kindesalter; familiäre Veranlagung Neurodermitis-Pflege ohne Kortison →
Allergisches Kontaktekzem Genau dort, wo das Allergen die Haut berührt (z. B. Ohrläppchen, Handgelenk, Hände) Tritt mit Verzögerung nach Kontakt auf (oft 1–3 Tage später); klingt ab, wenn der Auslöser wegfällt Allergien auf Inhaltsstoffe →
Irritatives (toxisches) Kontaktekzem Vor allem Hände (Beruf!), Kontaktstellen Direkt nach Reizstoff-Kontakt (Wasser, Putzmittel, Desinfektion); keine Allergie nötig Allergien auf Inhaltsstoffe →
Nummuläres Ekzem Arme, Beine, Rumpf; meist nicht im Gesicht Scharf begrenzte, münzrunde Herde; oft mit Krusten Nummuläres Ekzem erkennen & pflegen →
Dyshidrotisches Ekzem Handflächen, Fingerseiten, Fußsohlen Tiefsitzende, juckende Bläschen („wie Sagokörner"); schält sich später Dyshidrotisches Ekzem an Händen & Füßen →
Seborrhoisches Ekzem Kopfhaut, Augenbrauen, Nasenflügel, Brust — fettige Zonen Fettige, gelbliche Schuppen auf geröteter Haut; meist wenig Juckreiz Seborrhoisches Ekzem auf der Kopfhaut →

Betrifft dich eine bestimmte Form nicht? Spring einfach weiter zur nächsten Überschrift.


Die Formen einzeln erklärt

1. Atopisches Ekzem (Neurodermitis)

Die bekannteste und häufigste Form. Hier neigt die Haut von Grund auf zu Entzündungen — weil die Hautbarriere (die Schutzschicht, die Feuchtigkeit drin und Reizstoffe draußen hält) genetisch bedingt geschwächt ist. Das Ergebnis: trockene Haut, sehr starker Juckreiz und immer wiederkehrende Schübe, typischerweise in den Armbeugen, Kniekehlen und im Gesicht. Beginnt meist schon im Kindesalter und tritt oft zusammen mit Heuschnupfen oder Asthma auf (das meint das Wort „atopisch" — eine ererbte Neigung zu überschießenden Immunreaktionen).

Das atopische Ekzem ist nicht heilbar, aber gut steuerbar — über konsequente Basispflege und das Meiden persönlicher Trigger.

Mehr dazu: Den ausführlichen Ratgeber mit 3-Stufen-Plan, Trigger-Liste und kortisonfreien Optionen findest du hier → Neurodermitis-Pflege ohne Kortison

2. Kontaktekzem (allergisch & irritativ)

Hier liegt die Ursache nicht in dir, sondern in dem, was deine Haut berührt. Die medizinische Leitlinie zum Kontaktekzem unterscheidet zwei Spielarten — und der Unterschied ist wichtig, weil sie verschieden entstehen. (Eine Leitlinie ist die gemeinsame Empfehlung von Fachärzten und ihren Fachgesellschaften zum aktuellen Wissensstand — quasi der Stand der Wissenschaft, auf den sich Ärzte stützen. Deshalb berufen wir uns darauf und nicht auf einzelne Werbeaussagen.)

Allergisches Kontaktekzem Irritatives Kontaktekzem
Was passiert? Das Immunsystem reagiert allergisch auf einen Stoff (z. B. Nickel, Duftstoffe, Konservierungsmittel) Ein Reizstoff schädigt die Haut direkt — ganz ohne Allergie (z. B. Wasser, Putzmittel, Desinfektionsmittel)
Wann? Mit Verzögerung — oft erst 1 bis 3 Tage nach dem Kontakt Schneller, oft direkt nach dem Kontakt
Wer? Nur wer auf den Stoff allergisch ist Im Prinzip jeder, bei genug Belastung

Die irritative Variante ist die häufigste Ursache für das berüchtigte Handekzem — typisch bei Berufen mit viel Wasser- und Reinigungsmittel-Kontakt (Pflege, Friseur, Reinigung, Gastro). Die gute Nachricht bei beiden: Fällt der Auslöser weg, beruhigt sich die Haut meist wieder.

Mehr dazu: Wie du Kontaktallergien erkennst — auch auf vermeintlich harmlose, „natürliche" Stoffe → Natürlich heißt nicht harmlos: Allergien auf Pflanzenstoffe

3. Nummuläres Ekzem

Der Name kommt vom lateinischen nummulus = „kleine Münze" — und das beschreibt es perfekt: Es bildet runde, scharf begrenzte, münzgroße Herde, oft an Armen und Beinen, die jucken, nässen und später verkrusten. Das macht es relativ leicht von anderen Formen unterscheidbar, denn die meisten Ekzeme sind eher diffus und unscharf am Rand.

Die genaue Ursache ist unklar — diskutiert werden trockene Haut, eine atopische Veranlagung und bakterielle Besiedlung. Charakteristisch ist der hartnäckige, oft langwierige Verlauf.

Mehr dazu: Wie du die münzförmigen Herde erkennst und pflegst → Nummuläres Ekzem erkennen & pflegen

4. Dyshidrotisches Ekzem (Hand- und Fußekzem)

Diese Form spielt sich an einem sehr spezifischen Ort ab: Handflächen, die Seiten der Finger und die Fußsohlen. Typisch sind kleine, tiefsitzende, stark juckende Bläschen — Betroffene beschreiben sie oft als „Sagokörner" unter der Haut. Platzen sie oder trocknen ab, schält und reißt die Haut.

Der alte Name „dyshidrotisch" deutet auf eine Störung der Schweißdrüsen hin — das gilt heute aber als überholt. Die Auslöser sind eher vielfältig: Stress, Schwitzen, Kontaktstoffe und eine atopische Veranlagung spielen mit hinein. Der Verlauf ist oft schubweise und wiederkehrend.

Mehr dazu: Was bei den Bläschen an Händen und Füßen wirklich hilft → Dyshidrotisches Ekzem an Händen & Füßen

5. Seborrhoisches Ekzem

Die Außenseiter-Form — weil sie anders aussieht und sich anders anfühlt als die anderen. Statt trockener, juckender Haut zeigt sie fettig-gelbliche Schuppen auf geröteter Haut, und zwar genau dort, wo die Haut viele Talgdrüsen hat: Kopfhaut, Augenbrauen, die Falten neben den Nasenflügeln, manchmal die Brust. Juckreiz ist eher mild oder fehlt ganz.

Eine zentrale Rolle spielt ein Hefepilz namens Malassezia, der natürlicherweise auf jeder Haut lebt — bei manchen Menschen aber eine Entzündungsreaktion anstoßt. Beim Baby kennt man die harmlose Variante als „Milchschorf" auf dem Kopf (nicht zu verwechseln mit Neurodermitis). Bei Erwachsenen tritt es häufiger bei Männern auf und verläuft chronisch in Schüben.

Mehr dazu: Pflege bei fettigen Schuppen auf der Kopfhaut → Seborrhoisches Ekzem auf der Kopfhaut

Die wichtigste Verwechslung

Kurz zur Abgrenzung: Ekzem oder Schuppenflechte (Psoriasis)?

Die häufigste Verwechslung ist nicht eine Ekzem-Form mit der anderen — sondern Ekzem mit Schuppenflechte (Psoriasis). Beide röten und schuppen, aber Psoriasis ist keine Ekzem-Form. Sie entsteht anders: Die Haut produziert hier viel zu schnell neue Zellen, die sich an der Oberfläche stapeln. Diese Faustregeln helfen zur groben Orientierung — die sichere Diagnose macht trotzdem der Arzt:

Merkmal Ekzem (z. B. Neurodermitis) Schuppenflechte (Psoriasis)
Ränder Eher diffus, unscharf, fließend Scharf begrenzt, wie „abgesteckt"
Schuppen Fein, trocken oder fettig (je nach Form) Grob, silbrig-glänzend, dick
Juckreiz Meist stark (Leitsymptom) Oft weniger, kann aber jucken
Form Unregelmäßig, flächig Erhabene, klar umrissene „Plaques"
Typische Stellen Beugeseiten (Armbeuge, Kniekehle) Streckseiten (Ellenbogen, Knie), Kopfhaut
Tipp: Knifflig wird's auf der Kopfhaut — da sehen sich seborrhoisches Ekzem und Schuppenflechte besonders ähnlich. Wenn du unsicher bist: nicht raten, sondern abklären lassen.
Mehr dazu: Was bei Schuppenflechte hilft — auch ohne Kortison → Psoriasis-Creme kortisonfrei

Der gemeinsame Nenner

Was fast alle Formen verbindet

So unterschiedlich die Auslöser sind — bei der Selbsthilfe ähneln sich die Ekzem-Formen erstaunlich stark. Drei Dinge helfen quer durch fast alle Typen:

  • Hautbarriere stärken: Regelmäßiges, mildes Eincremen mit feuchtigkeitsspendender, rückfettender Pflege. Die geschwächte Schutzschicht von außen unterstützen — das ist bei fast allen Formen das Fundament.
  • Trigger meiden: Reizstoffe, zu heißes Wasser, aggressive Reinigung, kratzige Textilien, Stress. Was dich persönlich triggert, findest du am ehesten mit einem einfachen Haut-Tagebuch heraus.
  • Nicht kratzen: Schwer, aber zentral. Kratzen verschlimmert fast jede Form und füttert den Juckreiz-Kratz-Kreislauf.

Der Unterschied liegt im Detail — beim seborrhoischen Ekzem geht's eher gegen den Hefepilz, beim Kontaktekzem ums Weglassen des Auslösers, bei Neurodermitis um die Trigger. Genau dafür sind die verlinkten Einzelartikel da.

Unterm Strich: Egal welche Form — milde Basispflege, Trigger meiden und nicht kratzen sind der gemeinsame Boden, auf dem alles andere aufbaut.

Wann zum Arzt? (Egal welche Form)

Du musst nicht selbst herausfinden, welche Ekzem-Art du hast — das ist genau der Job der Dermatologin oder des Dermatologen. Spätestens in diesen Fällen gehörst du in fachärztliche Hände:

Sofort zum Arzt bei: gelblichen Krusten, Eiterpickeln, Fieber oder rascher Verschlechterung (Zeichen einer bakteriellen Zusatzinfektion) · großflächigem, nässendem Ekzem · Bläschen, die sich schnell ausbreiten und schmerzen (Verdacht auf Herpes auf Ekzem-Haut — ein Notfall).

Bald (innerhalb weniger Tage), wenn:

  • die Haut trotz konsequenter Pflege nach ein bis zwei Wochen nicht besser wird,
  • du zum ersten Mal Symptome hast und nicht weißt, was es ist,
  • der Ausschlag dich im Schlaf, Job oder seelisch stark belastet,
  • du unsicher bist, ob es überhaupt ein Ekzem ist (oder vielleicht Schuppenflechte).

Tipp für den Termin: Ekzeme sind launisch — am Tag des Arzttermins sehen sie oft besser aus als im Schub. Mach im akuten Schub ein paar Fotos mit dem Handy und bring sie mit. Und beschreib möglichst genau: wo genau, wie lange schon, wie oft es kommt und ob du einen Auslöser vermutest.


FAQ

Kann ich mehrere Ekzem-Arten gleichzeitig haben? Ja, das kommt vor. Wer eine atopische Veranlagung (Neurodermitis) hat, neigt zum Beispiel eher auch zu Handekzemen oder nummulären Herden. Manchmal überlagern sich Formen, was die Diagnose erschwert — ein Grund mehr, sie nicht selbst zu stellen.

Ist ein Ekzem ansteckend? Nein. Keine der hier beschriebenen Ekzem-Formen ist ansteckend. Du kannst niemanden anstecken und dich nicht bei jemandem anstecken. (Anders ist es nur, wenn sich eine entzündete Ekzem-Stelle zusätzlich mit Bakterien oder Viren infiziert — aber das ist eine Komplikation, nicht das Ekzem selbst.)

Welche Ekzem-Art ist die häufigste? Das atopische Ekzem (Neurodermitis) ist die häufigste chronische Form, vor allem bei Kindern. Das irritative Kontaktekzem ist die häufigste Ursache für Ekzeme an den Händen, besonders berufsbedingt.

Wächst sich ein Ekzem aus? Kommt auf die Form an. Viele Kinder mit Neurodermitis erleben eine deutliche Besserung im Erwachsenenalter. Kontaktekzeme verschwinden, wenn der Auslöser konsequent gemieden wird. Andere Formen verlaufen chronisch in Schüben. Eine Garantie gibt es nicht.

Ist „Ausschlag" dasselbe wie „Ekzem"? Nein. „Ausschlag" ist noch unspezifischer — darunter fällt auch alles von Nesselsucht über Infektionen bis zu Allergien. Ein Ekzem ist eine bestimmte Sorte von Hautentzündung. Im Zweifel: abklären lassen.


Weiterführende Artikel


Quellen

  1. Dickel H. et al.: S1-Leitlinie Kontaktekzem (AWMF-Register-Nr. 013-055), Stand 2021/2022 — Leitlinie (PDF) · JDDG-Fassung
  2. AWMF Leitlinienregister: Kontaktekzem 013-055 (Übersichtsseite) — register.awmf.org
  3. gesund.bund.de (Bundesgesundheitsministerium): Dyshidrotisches Ekzem (Dyshidrose) — gesund.bund.de
  4. AMBOSS: Handekzem (Fachwissen Dermatologie) — amboss.com
  5. AMBOSS: Seborrhoisches Ekzem — amboss.com
  6. MSD Manual (Profi-Ausgabe): Nummuläres Ekzem — msdmanuals.com
  7. AOK Gesundheitsmagazin: Nummuläres Ekzem — Ursachen, Symptome, Behandlung — aok.de
  8. Universitätsspital Zürich (USZ): Ekzeme (Hautentzündung) erkennen und behandeln — usz.ch

Disclaimer

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welche Ekzem-Form vorliegt — und ob es nicht doch eine andere Hauterkrankung ist — kann nur eine Dermatologin oder ein Dermatologe sicher feststellen. Bei Verdacht auf eine Hauterkrankung lass dich ärztlich abklären. Im Zweifel — immer zum Arzt.

Cart

Your cart is currently empty.

Start Shopping

Select options

Submit Withdrawal Request

Please fill out the following form to submit your withdrawal request.