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Down-Syndrom und Akne inversa: Warum Eltern früh hinschauen sollten

Menschen mit Down-Syndrom erkranken deutlich häufiger an Akne inversa. Warum das so ist, woran du es erkennst und was wirklich hilft.

Menschen mit Down-Syndrom entwickeln Akne inversa — eine schmerzhafte, chronische Entzündungserkrankung der Haut — deutlich häufiger als der Rest der Bevölkerung. Und sie erkranken früher, oft schon vor der Pubertät, und oft ohne die Risikofaktoren, auf die Ärzte sonst achten. Wer das weiß, erkennt die Erkrankung schneller. Das ist nicht nichts — denn bei Akne inversa kann jahrelanges Warten echte Schäden anrichten.

Junge mit Down-Syndrom im Garten – Porträt


Inhalt


Was ist Akne inversa?

Akne inversa — medizinisch auch Hidradenitis suppurativa oder kurz HS genannt — ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut. Die beiden Namen meinen dasselbe, und du begegnest ihnen im Netz je nach Quelle mal so, mal so.

Was passiert dabei? An Körperstellen, wo sich Haut auf Haut reibt, bilden sich immer wieder schmerzhafte Knoten, Abszesse (das sind Eiteransammlungen unter der Haut) und mit der Zeit auch unterirdische Gänge — sogenannte Fisteln, also kleine Tunnel im Gewebe. Typische Stellen: Achselhöhlen, Leiste, Gesäß, bei Frauen unter der Brust.

Zwei Dinge sind wichtig zu verstehen: Erstens hat Akne inversa nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Der Name klingt nach Akne, aber die Erkrankung funktioniert anders. Sie ist keine Frage der Sauberkeit. Dieses Missverständnis richtet echten Schaden an — weil es Betroffene beschämt und weil Ärzte deshalb manchmal nicht sofort an HS denken. Zweitens ist HS eine der Hauterkrankungen, bei denen am häufigsten die falsche Diagnose gestellt wird. Dazu gleich mehr.


Der belegte Zusammenhang mit Down-Syndrom

Hier kommen die Zahlen — und die verdienen Aufmerksamkeit.

Deutlich häufiger

In der Allgemeinbevölkerung erkranken etwa 0,4 bis 1 von hundert Menschen an Akne inversa. Bei Menschen mit Down-Syndrom liegen die gemessenen Zahlen je nach Untersuchung erheblich höher:

  • Eine große Auswertung von Patientendaten aus den USA (rund 12.000 Menschen mit Down-Syndrom) fand die Erkrankung bei gut 2 von hundert — also ein etwa fünffach erhöhtes Risiko. (Garg et al. 2018, British Journal of Dermatology)
  • Eine Untersuchung in einem französischen Down-Syndrom-Zentrum, bei der Ärzte 783 Menschen persönlich untersuchten: fast 15 von hundert hatten Akne inversa. (Poizeau et al. 2019, Acta Dermato-Venereologica)
  • Eine Untersuchung aus Bologna mit 131 Kindern und jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom, verglichen mit über 12.000 Menschen ohne Down-Syndrom: rund 24 von hundert in der Down-Syndrom-Gruppe gegenüber etwa 1 von 200 in der Vergleichsgruppe. (Sechi et al. 2019, Dermatology Practical & Conceptual)

Warum schwanken die Zahlen so stark? Kurz erklärt: Auswertungen reiner Patientenakten erfassen nur Fälle, die schon offiziell dokumentiert waren — also meist schwere, behandelte. Untersuchungen, bei denen Ärzte die Menschen direkt anschauen, finden mehr, weil sie auch milde oder bisher übersehene Fälle entdecken. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich dazwischen — aber selbst die vorsichtigste Zahl zeigt: Das Risiko ist deutlich erhöht.

Zwei unabhängige Auswertungen, die jeweils viele Einzelstudien zusammenfassen, bestätigen das klar: Die eine kommt auf ein etwa zehnfach, die andere sogar auf ein rund zwölffach erhöhtes Risiko gegenüber Menschen ohne Down-Syndrom. (Lam et al. 2020 · Mostafa et al. 2022) Im Klartext: In diesen Daten erkranken Menschen mit Down-Syndrom rund zehn- bis zwölfmal so oft an Akne inversa wie andere — ein sehr deutlicher Zusammenhang.

Früher

Menschen mit Down-Syndrom erkranken nicht nur häufiger, sondern auch früher an Akne inversa. In einer pädiatrischen Studie lag das mittlere Alter des Symptombeginns bei 15,67 Jahren — Vorläufererscheinungen zeigten sich im Schnitt schon ab 13 Jahren. (Sechi et al. 2019). Eine kleine Fallserie (6 Patienten) dokumentierte ersten Symptombeginn sogar zwischen 9 und 14 Jahren (Veraldi et al. 2019, JEADV).

Eine weitere Auswertung, die viele Studien zusammenfasst (Lam et al. 2020), berechnete: Menschen mit Down-Syndrom entwickeln HS im Schnitt rund 6 Jahre früher als Menschen ohne Down-Syndrom.

Das heißt: Wir reden über eine Erkrankung, die schon im Schulkindalter beginnen kann.

Aus diesem Grund empfehlen spezialisierte Patientenorganisationen wie HS Connect (mit medizinischem Beirat), ab einem Alter von 7 bis 8 Jahren bei Menschen mit Down-Syndrom regelmäßig auf HS-Symptome zu achten. (hsconnect.org)

Ohne die üblichen Warnsignale

Was die Sache besonders tückisch macht: In der Allgemeinbevölkerung gelten Rauchen, starkes Übergewicht und familiäre Vorbelastung als wichtige Risikofaktoren für HS. Bei Menschen mit Down-Syndrom trifft das häufig nicht zu.

In der Poizeau-Studie rauchte keiner der 17 dermatologisch bestätigten DS-Patienten mit HS, keiner hatte eine positive Familiengeschichte mit HS, und keiner hatte eine weitere bekannte Entzündungserkrankung. (Poizeau et al. 2019) Auch Garg et al. 2018 fanden, dass HS bei Menschen mit Down-Syndrom Männer und Frauen sowie verschiedene Bevölkerungsgruppen gleich häufig trifft — was in der Allgemeinbevölkerung nicht so ist.

Für die Praxis bedeutet das: Das Fehlen von Rauchen, Adipositas oder familiärer Belastung schließt HS bei einem Menschen mit Down-Syndrom nicht aus. Dieser Punkt ist entscheidend, weil er genau das Muster ist, das zu Fehldiagnosen führt.

Was könnte dahinterstecken? (Hypothesen, keine Gewissheit)

Warum ist das Risiko so erhöht? Dazu gibt es einige wissenschaftlich diskutierte Erklärungsansätze — aber klarstellen muss ich: Keiner davon ist bisher eindeutig bewiesen. Es sind fundierte Hypothesen.

Hypothese 1: Ein bestimmtes Eiweiß stört das Haarwachstum. Bei Trisomie 21 liegt Chromosom 21 dreifach vor. Auf diesem Chromosom sitzt auch das Gen für ein bestimmtes Körpereiweiß (Fachname: Amyloid-Vorläuferprotein, APP). Die Hypothese: Dieses Eiweiß liegt in zu großer Menge vor. Das stört einen wichtigen Schalter im Körper, der steuert, wie Haarfollikel (die kleinen Kanäle, aus denen Haare wachsen) in der Haut reifen. Ist dieser Schalter aus dem Gleichgewicht, verstopfen die Follikel leichter — und genau das gilt als Ausgangspunkt von HS. (Blok, Jonkman, Horváth 2014, British Journal of Dermatology) Dieser Erklärungsansatz ist wissenschaftlich plausibel und wird in mehreren Studien als wahrscheinlichste Erklärung genannt — einen direkten Beweis gibt es bisher aber nicht.

Hypothese 2: Das Abwehrsystem reagiert anders. Menschen mit Down-Syndrom haben ein Immunsystem, das in beide Richtungen abweichen kann — einerseits sind sie anfälliger für Infektionen, andererseits neigen sie stärker zu chronischen Entzündungen. Bestimmte Botenstoffe des Immunsystems, die bei HS eine Rolle spielen, sind bei Menschen mit Down-Syndrom ebenfalls verändert. (Huggard, Doherty, Molloy 2020, Frontiers in Pediatrics)

Beide Hypothesen sind wissenschaftlich interessant — aber sie ändern nichts daran, dass die klinische Konsequenz dieselbe ist: HS muss früh auf dem Radar sein.


Warum das so wichtig ist: 10 Jahre bis zur richtigen Diagnose

In Deutschland dauert es im Schnitt 10 Jahre, bis Menschen mit HS die richtige Diagnose bekommen. Das ist kein Schreibfehler. Zehn Jahre. In dieser Zeit suchen Betroffene mehr als drei verschiedene Ärzte auf und sammeln mehr als drei Fehldiagnosen. (Kokolakis, Wolk et al. 2020, Dermatology/Karger; bestätigt durch Kirschner et al. 2024, JDDG)

Diese Verzögerung hat Folgen: Je länger HS unbehandelt bleibt, desto schwerer wird sie. Aus einzelnen Knoten werden Narbenstränge. Aus gelegentlichen Schüben eine dauerhafte Erkrankung. Eine Studie (Kirschner et al. 2024) zeigt außerdem, dass HS die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen im Schnitt um über 40 % einschränkt.

Für Menschen mit Down-Syndrom gilt diese Verzögerung wahrscheinlich noch mehr. Nicht weil die Erkrankung bei ihnen versteckter wäre, sondern weil:

  1. HS bei Down-Syndrom früher beginnt — oft schon im Schulalter, wenn Ärzte am allerwenigsten an diese Diagnose denken.
  2. Die klassischen Risikofaktoren fehlen — und wenn ein Arzt nicht nach HS sucht, weil er kein Rauchen und keine Familiengeschichte sieht, wird er es auch nicht finden.
  3. Manche Menschen mit Down-Syndrom teilen Schmerzen und Beschwerden anders mit — nicht unbedingt in Worten. Was jemand, der sich gut sprachlich mitteilen kann, von allein beim Arzt anspricht, bleibt sonst vielleicht lange unbemerkt — außer jemand schaut genau hin.

Eltern und Betreuende sind hier die Augen, die die Erkrankung sehen können, wenn die betroffene Person sie selbst vielleicht nicht beschreiben kann.


Woran erkennen? Worauf achten?

Grafik: typische Körperstellen für Akne inversa – Achseln, unter der Brust, Leiste, Gesäß

Kein Arzt zu sein bedeutet, keine Diagnose stellen zu dürfen — das bleibt Ärzten vorbehalten. Aber man kann lernen, was verdächtig aussieht.

Typische Anzeichen von Akne inversa:

  • Immer wiederkehrende Knoten oder Abszesse — schmerzhafte, geschwollene Stellen, die sich wieder und wieder entzünden. Nicht einmal, nicht zufällig, sondern immer an denselben Stellen.
  • Typische Körperstellen: Achselhöhlen, Leiste, Gesäß, bei Mädchen und Frauen auch unter der Brust — also überall dort, wo Haut auf Haut liegt.
  • Wunden, die nicht richtig heilen, oder Stellen, die immer wieder aufgehen.
  • Unangenehmer Geruch durch Eiteransammlungen unter der Haut — das ist keine Hygienefrage, sondern ein medizinisches Symptom.

Wenn dein Kind oder Angehöriger Schmerzen nicht in Worten sagen kann:

Dann zeigt der Körper sie oft anders. Achte auf solche Signale:

  • Es schont eine Stelle, will dort nicht angefasst werden oder zuckt beim Anziehen/Waschen zusammen.
  • Greift sich immer wieder an dieselbe Körperstelle oder reibt daran.
  • Verändertes Verhalten: unruhig, gereizt, weint mehr, zieht sich zurück, schläft schlecht.
  • Vermeidet Bewegungen, die die betroffene Stelle dehnen (z. B. Arm heben, Hinsetzen, Beine spreizen).
  • Geruch oder Flecken in der Kleidung an immer derselben Stelle.
  • Schreckt körperlich zurück, wenn man die Stelle anfassen, waschen oder eincremen will.

Was vielen Familien hilft: eine einfache Schmerzskala. Frag mit einer Skala von 0 (gar kein Schmerz) bis 10 (stärkster Schmerz), wie schlimm es ist — viele Menschen mit Down-Syndrom können damit etwas anfangen, auch wenn ihnen die Worte fehlen. Werde dabei ruhig konkret und benenne die Körperstelle direkt („Tut es hier weh? In der Leiste? Am Penis? Unter dem Arm?"). Gerade Beschwerden im Intimbereich bleiben sonst oft unausgesprochen.

👉 Unsere Schmerz- und Juckreiz-Skala zum Ausdrucken (mit Gesichtern, hilft beim Zeigen) findest du hier als PDF.

Wenn dir so etwas wiederholt an Achseln, Leiste, Intimbereich, Gesäß oder unter der Brust auffällt: einmal in Ruhe nachschauen — und beim Arzt gezielt nach Akne inversa fragen. Du bist die Person, die das früh bemerken kann.

Werkzeug-Tipp: DisDAT

Wenn ein Mensch Beschwerden gar nicht in Worten zeigen kann, gibt es ein erprobtes, kostenloses Hilfsmittel aus England: das DisDAT (Disability Distress Assessment Tool). Damit hältst du fest, wie dein Angehöriger aussieht und sich verhält, wenn es ihm gut geht — und woran du Unwohlsein erkennst. So fällt im Ernstfall schneller auf, dass etwas nicht stimmt. Es gibt eine offizielle deutsche Fassung:

Was nicht tun:

Wiederkehrende Knoten an diesen Stellen nicht als „normale Pickel" abtun und nicht auf Hygiene schieben. Das Gegenteil ist richtig: Intensives Waschen und Reiben macht es schlimmer.

Wann zum Arzt?

Früh. Und gezielt. Wenn du wiederkehrende schmerzhafte Knoten oder Abszesse an den genannten Körperstellen bemerkst, gehst du — oder fährst du als Elternteil mit deinem Kind — zum Hausarzt oder direkt zum Hautarzt (Dermatologen).

Was du beim Arzt konkret sagst: Beschreibe die Symptome so genau wie möglich. Das hilft mehr als jedes vage „die Haut macht Probleme":

  • Wo genau sind die Stellen? (z. B. Achselhöhle, Leiste, unter der Brust)
  • Wie lange schon? (seit Wochen, Monaten, Jahren)
  • Wie oft kommen sie wieder? (immer an derselben Stelle? mehrmals im Jahr?)

Und dann der Satz, der den Unterschied macht: „Ich möchte ausschließen, dass das Akne inversa ist — auch Hidradenitis suppurativa genannt." Dieser Name zeigt, dass du weißt, wonach du fragst — und lenkt den Blick auf genau die Diagnose, die so oft jahrelang übersehen wird.

Fotos helfen enorm. Mach im akuten Zustand ein paar Aufnahmen der betroffenen Stellen. Schübe haben die unangenehme Eigenschaft, ausgerechnet am Tag des Termins abgeklungen zu sein. Ein Foto vom schlimmen Moment sagt dem Arzt mehr als deine Beschreibung einer Stelle, die heute gerade ruhig ist.

Eine medizinische Leitlinie ist die gemeinsame Empfehlung von Fachärzten und Fachgesellschaften, was beim aktuellen Wissensstand am besten hilft — quasi der Stand der Wissenschaft, auf den sich Ärzte stützen. Deshalb berufen wir uns darauf und nicht auf einzelne Werbeversprechen. Die aktuelle deutsche Leitlinie (Kürzel: S2k, von der AWMF, dem Zusammenschluss der medizinischen Fachgesellschaften) nennt Down-Syndrom ausdrücklich als eine Erkrankung, die bei HS berücksichtigt werden sollte. (AWMF-Leitlinie HS/Akne inversa 2024, Registernummer 013-012)


Was hilft: Ein kurzer Dreiklang

HS ist eine Erkrankung, die ärztlich behandelt gehört. Das steht am Anfang, nicht am Ende. Pflege, Kleidung, Lebensalltag — das alles spielt eine Rolle, aber keines davon ersetzt die medizinische Therapie.

Stufe 1 — Im Alltag: - Lockere, atmungsaktive Kleidung bevorzugen — alles, was Reibung und Hitze an den betroffenen Stellen reduziert. - Duschen statt Baden, kein zu aggressives Reinigen der betroffenen Stellen. - Sanfte, reizstofffrei formulierte Pflege für empfindliche Haut kann die Hautbarriere im Alltag unterstützen — ohne zu reiben, ohne zu parfümieren. - Trigger — also Auslöser — kennenlernen: Hitze, enge Kleidung, bestimmte Stoffe. Was bei der einen Person Schübe auslöst, muss bei der nächsten nicht relevant sein.

Stufe 2 — Im Schub: - Ärztlich verordnete Mittel nach Plan einsetzen (keimabtötende Mittel, also Antiseptika, oder Antibiotika als Creme oder als Tablette, je nach Stadium). - Reizstoffe an der betroffenen Stelle noch konsequenter meiden. - Wärme draußen halten.

Stufe 3 — Wenn es ernst wird: - Dranbleiben: HS in schwererem Verlauf — Ärzte teilen HS je nach Schwere in drei Stufen ein (Hurley I bis III) — braucht in der Regel eine Behandlung, die im ganzen Körper wirkt (z. B. Tabletten oder Spritzen). In fortgeschrittenen Fällen kann auch ein operativer Eingriff sinnvoll sein — das klingt erst mal erschreckend, ist aber bei schweren, immer wiederkehrenden Stellen ein etablierter und oft sehr entlastender Schritt. Genau deshalb lohnt sich das frühe Hinschauen: Je früher HS erkannt wird, desto seltener kommt es überhaupt so weit. - Der Hausarzt oder Dermatologe entscheidet, was nötig ist. Dieser Plan sollte idealerweise schon stehen, bevor ein schwerer Schub kommt — dann muss man im Akutfall nicht neu entscheiden.

Zur Pflege ehrlich sein: Sanfte Pflegeprodukte für empfindliche, gereizte Haut können den Alltag erträglicher machen — sie mindern Reizung, unterstützen die Hautbarriere und sorgen dafür, dass betroffene Stellen nicht durch unnötige Zusatzstoffe weiter gereizt werden. Das ist ihr Platz. Sie behandeln keine HS und sie ersetzen keine ärztliche Therapie. Wer etwas anderes verspricht, lügt.


FAQ

Kann Akne inversa bei Kindern mit Down-Syndrom wirklich schon vor der Pubertät auftreten? Ja. In einer Studie mit Kindern aus Bologna (Sechi et al. 2019) wurden Kinder und junge Erwachsene ab 4 Jahren in die Gruppe der untersuchten Menschen aufgenommen, das mittlere Alter bei Symptombeginn lag bei rund 15 Jahren, Vorläufererscheinungen zeigten sich ab etwa 13 Jahren. Einzelne Fälle in einer Fallserie (Veraldi et al. 2019) begannen schon mit 9 Jahren. Das ist selten, aber belegt — und der Grund, warum Screening-Empfehlungen ab 7 bis 8 Jahren ansetzen.

Ist Akne inversa bei Down-Syndrom weniger schwer als bei anderen Menschen? Das lässt sich nicht pauschal sagen. In der Poizeau-Studie hatten die meisten Betroffenen einen leichten bis mittelschweren Verlauf (Stufe Hurley I und II, also die beiden milderen Stufen von drei), eine Person hatte den schwersten Grad. Die Datenlage reicht nicht aus, um zu sagen, ob der Verlauf insgesamt milder oder schwerer ist als bei anderen Menschen.

Wenn kein Übergewicht und kein Rauchen vorliegt — muss ich trotzdem an HS denken? Ja, gerade dann. Das Fehlen dieser Risikofaktoren ist bei Menschen mit Down-Syndrom eher die Regel als die Ausnahme. Die Erkrankung kann trotzdem vorliegen.

Was soll ich beim Arzt konkret sagen? Beschreibe die Symptome so genau wie möglich: Wo genau sind die Stellen? Wie lange schon? Wie oft kommen sie wieder? Und dann: „Ich möchte ausschließen, dass das Akne inversa ist — auch Hidradenitis suppurativa genannt." Diese Formulierung hilft.

Gibt es eine spezielle Leitlinie für HS bei Down-Syndrom? Eine eigene Leitlinie speziell für diesen Zusammenhang gibt es bisher nicht. Die aktuelle deutsche HS-Leitlinie (eine gemeinsame Empfehlung von Fachärzten, gültig bis 2029) nennt Down-Syndrom aber ausdrücklich als Erkrankung, die häufig zusammen mit HS auftritt — und die bei der Diagnose immer mitbedacht werden sollte.


Weiterführende Artikel


Quellen

  1. Garg A et al. (2018). Prevalence of hidradenitis suppurativa among patients with Down syndrome — a population-based cross-sectional analysis. British Journal of Dermatology 178(3):697–703. DOI: 10.1111/bjd.15770 | HS Foundation Zusammenfassung

  2. Poizeau F et al. (2019). Hidradenitis suppurativa in patients with Down syndrome: a French cross-sectional study at a national reference center for rare skin diseases. Acta Dermato-Venereologica 99(3):351–352. DOI: 10.2340/00015555-3095 | Volltext

  3. Sechi A et al. (2019). Hidradenitis suppurativa in Down syndrome: a retrospective study. Dermatology Practical & Conceptual 9(3):187–194. DOI: 10.5826/dpc.0903a03 | Volltext

  4. Denny G, Anadkat MJ. (2016). The impact of smoking and age on the response to first-line therapy of hidradenitis suppurativa. Journal of the American Academy of Dermatology 75(3):632–634. DOI: 10.1016/j.jaad.2016.04.045

  5. Lam J et al. (2020). Hidradenitis suppurativa in Down syndrome: a systematic review and meta-analysis. Pediatric Dermatology 37(6):1044–1050. DOI: 10.1111/pde.14326

  6. Mostafa S, Phan K, Amin M, Smith SD. (2022). Hidradenitis suppurativa and Down syndrome: a systematic review and meta-analysis. SKIN The Journal of Cutaneous Medicine 6(3):195–200. DOI: 10.25251/skin.6.3.3 | Volltext

  7. Blok JL, Jonkman MF, Horváth B. (2014). The possible association of hidradenitis suppurativa and Down syndrome: is increased APP expression resulting in dysregulation of the Notch signalling pathway the missing link? British Journal of Dermatology 170(6):1375–1377. DOI: 10.1111/bjd.12887

  8. Veraldi S et al. (2019). Hidradenitis suppurativa and Down syndrome. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 2019. DOI: 10.1111/jdv.15822 | PMID: 31535757

  9. Kokolakis G, Wolk K et al. (2020). Delayed diagnosis of hidradenitis suppurativa and its effect on patients and healthcare system. Dermatology 236(5):421–430. DOI: 10.1159/000508787 | Karger

  10. Kirschner U, Kahn M et al. (2024). Diagnostic delay in hidradenitis suppurativa investigated using data from social media and from statutory health insurances. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 22(6):803–809. DOI: 10.1111/ddg.15411 | Deutsche Version: 10.1111/ddg.15411_g

  11. AWMF-Leitlinie S2k: Therapie der Hidradenitis suppurativa / Acne inversa (2024). Registernummer 013-012, gültig bis 30.04.2029. AWMF-Register

  12. HS Connect — Down syndrome and HS (Screening-Empfehlung ab 7–8 Jahre, mit medizinischem Beirat, Stand 2022). hsconnect.org/down-syndrome-and-hs/


Medizinischer Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) oder anderen Hautbeschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt — möglichst einen Dermatologen. Eltern und Betreuende von Menschen mit Down-Syndrom sollten wiederkehrende Hautveränderungen an typischen Körperstellen frühzeitig ärztlich abklären lassen.


Zur Hautpflege: Für Menschen mit empfindlicher, zu Entzündungen neigender Haut kann eine sanfte, reizarme Pflege den Alltag begleiten — sie reduziert zusätzliche Hautirritationen und hält die Hautbarriere stabil. Das ist ihre Rolle. Akne inversa selbst ist eine Erkrankung, die primär ärztlich behandelt wird — Kosmetik ist kein Ersatz dafür und verspricht das auch nicht.

Warum wir uns auf Leitlinien berufen
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